Mit den Wurzeln im Westen verankert sein, mit den Ästen im Osten im Wind wiegen.

Nein, Susanne Hauser Lendenmann, *1956 in Zürich, ist natürlich kein Baum. Aber ihre künstlerischen Arbeiten haben zwar ihre Wurzeln in der europäischen Kultur, assimilierten jedoch im Laufe der Jahre immer mehr asiatische Impressionen. Diese Symbiose von Ost und West sind in ihren jüngsten Arbeiten – den Druckgrafiken – am offensichtlichsten. Nach einem Arbeitsleben als diplomierte Chemie-Ingenieurin und Technische Redaktorin ist sie nun seit 2019 «Vollzeit» kunstschaffend.

Porzellanmalerei    Knapp über 20 Jahre alt war Susanne Hauser Lendenmann, als sie ihre ersten Pinselstriche auf Porzellan malte. Lily Aeberli, damals in Kilchberg, war ihre allererste Lehrerin. Deren Begeisterung für die Porzellanmalerei und sachkundiger Unterricht steckten Susanne Hauser Lendenmann nachhaltig an und garantierten einen fundierten Aufbau. Die künstlerische Entwicklung begann 1988, als Susanne Hauser Lendenmann mit Jenö Fenyves (Atelier Quality Art, Basel) auf einen fordernden und kompetenten Lehrer traf. Der diplomierte Kunstporzellanmaler (Herend, Ungarn) spornte mit viel Sachverstand zu ständiger Weiterentwicklung auf hohem Niveau an. Diese Weiterbildung dauerte bis 2006, als der Meister krankheitshalber die Berufstätigkeit aufgeben musste. Es ist wohl kein Zufall, dass Sieglinde Hertel, die in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen zur Kunstporzellanmalerin ausgebildet wurde, ab 2008 ihre nächste Lehrmeisterin wurde. Sieglinde Hertels Spezialgebiet ist die sogenannte Indischmalerei. Chinesische Dekors aus dem 16. und 17. Jahrhundert inspirierten Meissen dazu, eigene Elemente nach europäischem Geschmack mit jenen aus der östlichen traditionsreichen Sagenwelt zu verbinden – Susanne Hauser Lendenmann war sofort von den modern anmutenden Dessins angetan.
Diese beiden aus renommierten europäischen Porzellanmanufakturen stammende Meister/Meisterinnen wie auch die asiatische Kultur prägen heute ihre Porzellanarbeiten.

Tuschemalerei    Inspiriert durch diverse Studienreisen, geriet Susanne Hauser Lendenmann schon in jungen Jahren in den Bann der asiatischen Kunst und Kultur. 1989 lernte sie in Zürich die Sumi-e-Meisterin Toyoko Reymond kennen, die sie in die Kunst und Techniken der japanischen Tuschemalerei (Sumi-e) einführte. Nach dieser «harten» Schule wechselte sie 1995 zum chinesischen Künstler Yang Xing Lai, der bis 2004 entscheidend zu ihrer künstlerischen Weiterentwicklung beitrug. Die Harmonie der Bildgestaltung, die Ästhetik der Leere, aber auch die konsequente Unwiderruflichkeit des Tuschestrichs auf dem Papier – all dies liess Susanne Hauser Lendenmann fortan nicht mehr los.

Kalligrafie    Ihre spezielle Affinität zu China führte sie unweigerlich auch zur Auseinandersetzung mit der chinesischen Sprache und Schrift – und von da zur Kalligrafie. Neben der Tuschemalerei wurde sie ebenfalls von Yang Xing Lai vier Jahre lang in den Basics der chinesischen Kalligrafie unterrichtet. Das Erlernen der Gesetzmässig­keiten, nach denen ein Schriftzeichen aufgebaut ist, die präzise Umsetzung in der Regelschrift: Das ist erst der Anfang, das «Technische». Von 2011 bis 2016 nahm sie an der Schule für Gestaltung in Zürich Unterricht bei der chinesischen Künstlerin Sylvie Xing Chen. Bei ihr erhielt sie die wesentlichen Impulse und das nötige Selbstvertrauen, damit durch jahrelanges Training auch eigene Interpretationen in der Kursivschrift – der Schrift der Künstler – möglich werden.

Kupferdruck    Seit 2017 sammelt sie Erfahrungen bei Franziska Schiratzki, die das Atelier an der Schule für Gestaltung in Zürich leitet und sie mit ihrer Begeisterung für die Vielfältigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten dieser Drucktechniken angesteckt hat. Es fesselt Susanne Hauser Lendenmann, mit welchen technisch-handwerklichen Werkzeugen und Fertigkeiten eine Idee umgesetzt werden kann.

Asien inspiriert sie natürlich weiterhin, sodass sie gerne Tuschemalerei oder Kalligrafie mit den westlichen Kupferdrucktechniken verbindet. Waren in China und Japan seit dem 8. Jahrhundert Holzschnitte – eine Hochdruck­technik – in der Kunst berühmt, so liegt bei einer Um­setzung mit dem etwa 700 Jahre jüngeren Tiefdruckverfahren eine der Herausforderungen darin, dass hier die mechanisch oder chemisch vertieften Stellen auf der Platte die Farbe enthalten. Die beiden Techniken verhalten sich zueinander wie Yin und Yang – faszinierend, nicht?